Ein Kommentar von unserem Bürgermeisterkandidaten Tino Schlagintweit
I
n der letzten Ausgabe des Lohhofer Anzeiger kritisieren zwei Stadtrats-Kandidaten die Vorplanung zum Moos-Haide-Park als grünes Feigenblatt der SPD und letztlich nicht realisierbar. Zu dem Schreiben selbst und den vielen Fehlinformationen darin nur so viel: Wer sich für eine Stadt mit Maß einsetzt, sollte seine grünen Trümpfe hüten, statt sie dem Wahlkampf zu opfern. Dass die SPD den Park derzeit gerne als ihr Werk feiert, stört mich wenig. Auch wenn es die Ortsgruppe des Bund Naturschutz und ich waren, die das Konzept 2016 in die Welt setzten. Auch wenn der Startschuss zur Realisierung erst auf Antrag der Grünen und der ÖDP im Stadtrat fiel – Hauptsache, der Moos-Haide-Park ist in Politik und Verwaltung angekommen. Stich gemacht. Natürlich ist das Spiel unübersichtlich und der Ausgang ungewiss: komplizierte Gemeindegrenzen, die geplante Umgehungsstraße, Gewerbeambitionen und interkommunales Konkurrenzdenken im Ballungsraum. Das alles stellt den Moos-Haide-Park aber nicht grundsätzlich in Frage. Tatsächlich spielte er – wenn auch brutal eingeschnürt – im Raumkonzept der begrabenen BMW-Pläne von 2018 eine tragende Rolle. Zugleich bestand er seine Bewährungsprobe als Immunabwehr für die „grüne Wiese“. Man sah in der Landschaft nicht mehr nur Baulandreserve, sondern einen Beinahe-Park. Das trug dazu bei, dass die Pläne in Presse und Bevölkerung deutlich mehr Staub aufwirbelten – und letztlich durchfielen. Stich gemacht. Allerdings kursieren noch immer ein paar falsche Vorstellungen. Zum Beispiel, dass der Moos-Haide-Park überwiegend Oberschleißheim betreffe. Tatsächlich erstreckt er sich aber über gut drei Kilometer – von der A92 im Westen über die Staatsstraße und Bahn bis nach Lohhof Süd im Osten. Weit über die Hälfte gehören zu Unterschleißheim. Falsch ist auch die Vorstellung, der Moos-Haide-Park sei nur auf Flächen der öffentlichen Hand machbar. Leichter wäre das, gewiss. Aber ein Landschaftspark im hier vorgeschlagenen Sinne hat nichts mit aufwändig gestalteten Parks zu tun. Im Kern geht es darum, die Restlandschaft zwischen Ober- und Unterschleißheim mit ihren vielen ökologischen Funktionen wie Luftaustausch, Kühlung, Artenvielfalt und für die naturbetonte Erholung zu erhalten und aufzuwerten.

Ausschnitt Regionalplan mit Planungsumgriff der Vorstudie „Moos-Haide-Park“
Dazu gibt es seit langem Vorschläge. Aber sie schlummerten verstreut und weitgehend unbemerkt im Regionalplan, in diversen landschaftsplanerischen Gutachten und nicht zuletzt im alten und im neuen Unterschleißheimer Flächennutzungsplan. 2016 kam ich auf die Idee, sie zusammenzufassen, in ein griffiges Bild zu packen und zu propagieren. Eine meiner künftigen Aufgaben sehe ich darin, die Parkidee gemeinsam mit Oberschleißheim, den Grundeigentümern und der Deutschen Bahn voranzubringen. Im Zentrum stehen dabei eine Querung der Bahn, bessere Wege und Aufenthaltsmöglichkeiten im westlichen Teil und eine möglichst landschaftsverträgliche Trassierung der Oberschleißheimer Umgehungstraße, sollte sie unumgänglich sein. Auch ein interkommunaler Flächentausch käme in Frage, sollte Oberschleißheim weiterhin Gewerbe ansiedeln wollen. Für mich ist klar: Wenn wir das Wachstum im Ballungsraum kanalisieren, wenn wir die Lebensqualität steigern wollen, dann müssen wir auch auf Trümpfe wie den Moos-Haide-Park setzen. Dafür stehe ich als politischer Naturschützer und als Natur schützender Politiker.





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