Wo halten sich Jugendliche auf – und warum ist das ein Problem?
Wo halten sich Jugendliche und junge Menschen in Unterschleißheim auf? Diese Frage sollten wir uns viel häufiger stellen! Meistens liegt hier ein Streitthema, ja teilweise sogar ein mittelschwerer Generationenkonflikt begraben. Am Stadtplatz sollen sich die Jugendlichen auf keinen Fall aufhalten, das stört. In Wohngebieten sowieso nicht wegen der Anwohner*innen, Spielplätze, Grünanlagen bitte auch nicht und der Unterschleißheimer oder Hollener See wird dann durch die jungen Menschen sowieso nur vermüllt.
Wer kennt diese Argumente nicht? Natürlich sind Jugendzentren wie das Gleis 1 eine Möglichkeit Abhilfe zu schaffen. Aber was tuen, wenn die Clique mal Lust auf etwas Anderes hat, oder junge Menschen unter sich sein wollen?
Also wohin mit der Jugend? Das Kinderzimmer ist häufig zu klein, gerade in verstädterten Orten wie Unterschleißheim. Der Wohnraum ist knapp und nicht jede*r verfügt über ein eigenes Zimmer. Nicht alle haben stabile Familienverhältnisse oder das Privileg in einem gut ausgebauten Reihenhaus zu wohnen. Zudem ist gerade in der Pubertät der Wunsch nach Freiheit besonders groß und diese findet man bekanntlich nicht am heimischen Küchentisch. Und ja Vereine, wie wir sie in Unterschleißheim haben und schätzen, sind eine Möglichkeit, aber auch das ist immer mit Privilegien verbunden. Von Eltern, die hier unterstützen müssen, hin und her fahren, den Mitgliedsbeitrag oder die Pommes am Vereinsabend bezahlen müssen und schlichtweg erst einmal hinter ihren Kindern stehen müssen.
Was Jugendliche wirklich brauchen: Wünsche und Realität
Wir haben deshalb mit Jugendlichen am REWE hier in Unterschleißheim gesprochen. Gerade weil das scheinbar ein Ort ist, an und um dem gerade aus Mangel an Alternativen gechillt wird. Und die Wünsche waren interessant. Neben guter Erreichbarkeit, verschiedenen Räumen und vielen kleinen und großen Anschaffungen wie Outdoorsportgeräten, Billard, Kicker, einem Grill oder einem Pool war vor allem der Wunsch nach Räumen für alle dar. Unabhängig von Öffnungszeiten, Ferienschließungen oder Feiertagen, gerne mit digitalem Buchungstool und gelegentlichen Kontrollen, damit kein Vandalismus oder andere Unannehmlichkeiten zu befürchten sind.
Und was heißt das jetzt für uns? Junge Menschen brauchen Orte, an denen sie sich frei entfalten können. An denen sie mit Gleichaltrigen Zeit verbringen und an ihren Fehlern lernen dürfen. Wer von uns erinnert sich nicht gerne an die unbeschwerten Sommerabende am See oder einer alten Bauruine zurück? An das Gefühl der grenzenlosen Freiheit, den kleinen und großen Herausforderungen, der ersten Liebe und am Ende auch unglaublich viel jugendlichem Übermut. Und genau das müssen wir in unserer Stadt wieder schaffen: Orte, an denen die Jugend willkommen ist, die sie selbst nach ihren Wünschen gestalten dürfen und an denen sie, ganz ohne Erwachsene sind.
Selbstverwaltete Jugendräume als Chance für die Zukunft
Die Rede ist von selbstverwalteten Jugendräumen. Also Räumlichkeiten, die durch junge Menschen in Eigenregie genutzt, verwaltet, vermietet und betrieben werden. Das können alte Bahnhäuser, verwaiste Vereinsheime oder andere verfügbare Räume sein. Viel brauchts dann eigentlich schon nicht mehr, außer vielleicht alte Sofas und junge Menschen die Verantwortung übernehmen und eine Gemeinde, die der Jugend vertraut.
Die Vorteile könnten groß sein. Von Orten für junge Menschen an denen sie nicht nur die Störer*innen sind, sondern wirklich da sein dürfen. Von einem gelebten Beispiel für Jugendbeteiligung und der Möglichkeit ganz viel über Verantwortung, Selbstverwaltung und solchen Abläufen zu lernen. Auch ein wichtiges Lernfeld für junge Menschen. Und vielleicht gelingt es uns ganz nebenbei, dass nicht mehr nur noch die örtliche Fastfoodkette oder das verlassene Parkhaus ein Ort der Jugend ist.
Wir Grüne sind seit jeher eine Partei, die sich für die Jugend einsetzt und sie hört, anstatt über eine ganze Generation hinwegzuentscheiden. Gerade hier ist eine riesige Möglichkeit gegeben, in der eigenen Kommune nach geeigneten Orten zu schauen und durch eine gute Jugendpolitik die Nöte einer Generation zu sehen und ernst zu nehmen. Und vielleicht ist die kommende kommunalpolitische Amtsperiode auch eine, die gerade in Zeiten, in denen viele gesellschaftspolitische Herausforderungen auf dem Rücken von jungen Menschen ausgetragen werden, auch eine die Ihnen Chancen und Entwicklungsspielraum zugesteht. Weil Unterschleißheim auch das kann!
Johannes Rohleder, Mitglied des Kreistages des Landkreises München
Bernhard Schüssler, Stadtrat der Stadt Unterschleißheim





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