Deutschland-Premiere in Unterschleißheim

Ein Abend voller starker Bilder, globaler Verbindungen und lokalem Widerstand zu „GasLit“

Vordere Reihe: Saskia Reinbeck von Greenpeace und Lisa Badum (MdB, klimapolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion), hintere Reihe: Stadtrat und Klimaaktivist Bernhard Schüssler, Gemeide- und Kreisrätin Helga Keller-Zenth (Oberschleißheim) und Helmut Göbel, Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen Unterschleißheim

Für den 15. September 2026 lud der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen Unterschleißheim zu einem ganz besonderen Kino-Highlight ins Capitol ein: Gezeigt wurde im Rahmen einer exklusiven Deutschland-Premiere der von Greenpeace USA produzierte Dokumentarfilm „GasLit“. Der Film beleuchtet die drastischen ökologischen und gesundheitlichen Folgen der US-amerikanischen Öl- und Gasindustrie. Die Umweltaktivistin und Schauspielerin Jane Fonda führt darin vom Permian Basin im Westen von Texas (in dem sich große Öl- und Gasvorkommen befinden) bis an die Golfküste von Texas und Louisiana – in Regionen, die unter dem Namen „Cancer Alley“ („Krebsgasse“) traurige Berühmtheit erlangt haben. Dort gefährden petrochemische Industrieanlagen die Gesundheit der zumeist marginalisierten Bevölkerung, zerstören jahrhundertealte Traditionen der Fischerei und heizen den Klimawandel durch massive Methan-Leckagen an.

Die anschließende Podiumsdiskussion, moderiert von Stadtrat und Klimaaktivist Bernhard Schüssler, schlug den Bogen von den texanischen Förderstätten direkt nach Deutschland und in unsere Region. Auf dem Podium diskutierten die Bundestagsabgeordnete und klimapolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion Lisa Badum und Saskia Reinbeck von Greenpeace mit dem Publikum über Auswege aus der fossilen Abhängigkeit.

Für alle drei war der wichtigste Satz des Films „Öl und Gas zerstören nicht nur unsere Umwelt, sondern auch die Demokratie“.

Globale Fracking-Lügen und lokale Ausbeutung

Ein zentrales Motiv des Abends war die Entlarvung scheinbar sauberer Alternativen. Saskia Reinbeck ging in ihrem Statement konkret auf die umstrittenen Gasbohrungen in der Ammersee-Region ein: Das Gasvorkommen, das bei der dortigen Ausbeutung über rund 15 Jahre gefördert werden soll, würde den aktuellen Bedarf Bayerns noch nicht einmal zwei Wochen decken. Ihr klares Fazit: „Sauberes Gas ist eine dreckige Lüge!“ In diesem Zusammenhang wies sie darauf hin, dass bei solchen Projekten in Bayern präziser von heimischer Gas-Ausbeutung statt von Fracking gesprochen werden sollte, da der Begriff Fracking in Deutschland strenggenommen nur bei unkonventionellen Lagerstätten (wie Schiefergestein) verwendet wird und andernfalls zu Missverständnissen führen kann.

Lisa Badum ergänzte mit Blick auf offizielle Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums, dass selbst bei maximaler Ausschöpfung aller denkbaren Potenziale in ganz Deutschland das Gas lediglich für wenige Monate reichen würde. Dennoch reise die Politik zu Förderkonferenzen in die USA, anstatt konsequent auf Erneuerbare zu setzen. Auch die Sorgen vor Ort wurden intensiv beleuchtet: Lokale Aktivisten aus Reichling berichteten von konkreten Gefahren für das Trinkwasser und den Schutz der Region. Bernhard Schüssler betonte hierzu, dass Klimaschutz immer auch ein Menschenrechtskampf sei, da Umweltzerstörung gezielt dort stattfinde, wo Menschen wenig Geld haben oder marginalisiert werden.

Kommunale Wärme und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Doch der Abend bot nicht nur Grund zur Sorge, sondern zeigte konkrete Handlungsoptionen auf – im Großen wie im Kleinen. Während Lisa Badum forderte, die Übergewinne fossiler Konzerne abzuschöpfen und klimaschädliche Subventionen zu streichen, stand die kommunale Ebene im Fokus praktischer Umsetzung.

Bernhard Schüssler zog eine positive Bilanz für Unterschleißheim: Auch durch  den Einsatz der Grünen Stadtratsfraktion und kommunale Förderprogramme ist die kommunale Wärmeplanung inzwischen fertiggestellt. Bürgerinnen und Bürger können sich gezielt über Quartierswärmepumpen oder den Anschluss an die Geothermie, die in Unterschleißheim seit über 25 Jahren erfolgreich genutzt wird, informieren und beraten lassen. Jetzt arbeiten wir daran, dass die Umsetzung schnell und zuverlässig für alle gelingt.

Saskia Reinbeck rief dazu auf, die Energiewende als demokratisches Gemeinschaftsprojekt zu begreifen: „Die Zivilgesellschaft ist gefragt, etwas zu tun. Die Energiewende ist etwas Demokratisches.“

Ein Aufruf zum Weitermachen

Zum Abschluss rief Bernhard Schüssler dazu auf, sich vom übermächtigen Eindruck globaler Krisen nicht entmutigen zu lassen, sondern sich lokal zu vernetzen – etwa beim kreativen und bunten Widerstand gegen die Bohrpläne in Reichling. Die Deutschland-Premiere von „GasLit“ machte eindrucksvoll deutlich: Der Kampf gegen die fossile Lobby wird global geführt, entscheidet sich aber auch direkt vor unserer Haustür.

Helmut Göbel, Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen in Unterschleißheim

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