
Variante 1 – Beibehaltung des Walls
Wenn am Donnerstag der Unterschleißheimer Stadtrat entscheidet, ob der Gehölzwall zwischen Michael-Ende-Schule und Münchner Ring bleiben darf, wird ein neues Argument gewichtig auf dem Tisch liegen:
Die Meinung von über 1000 Bürgerinnen und Bürgern. Sie finden, dass ein hoher Saum aus Bäumen und Sträuchern dem Neubau der Michael besser stehen würde, als schicke Neupflanzungen, die erst über Jahrzehnte vergleichbaren Charme und Wert entwickeln. Mit einer parallelen Sammlung auf der Straße und auf der Petitionsplattform Change.org gelang es dem Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen und der Ortsgruppe des Bund Naturschutz innerhalb von nur 19 Tagen – dublettenbereinigt – insgesamt 1056 Unterschriften zu erhalten. Das ist beeindruckend, verglichen etwa mit dem Volksbegehren zum Radentscheid, bei dem in gut drei Monaten gerade einmal 700 Unterschleißheimer*innen unterschrieben haben.
Übergeben wurden die Unterschriften an den Bürgermeister am Dienstag, 31.01. mittags im Rathaus.

Unterschriftenlisten für den Erhalt des Gehölzwalls
Auffällig an den Infoständen war die Entschlossenheit, mit der die Passanten über alle Bevölkerungsgruppen oder Parteigrenzen hinweg für die Variante mit Wallerhalt plädierten. Viele kamen ganz gezielt zum Unterschreiben. Ein älterer Herr fragte kopfschüttelnd, wofür Grundschüler eigentlich einen Exerzierplatz brauchen.
Leider gab es Ende November mangels Bürgerbeteiligung noch kein Meinungsbild. So hatten der Bauausschuss sowie der Umwelt- und Verkehrsausschuss kurzerhand die Variante mit Rodung beschlossen. Sie stellten den möglichen Sicherheitsgewinn durch etwas mehr Fußwegbreite und die vermeintlich attraktivere Sichtbarkeit des freigestellten Schulkomplexes über alles andere. Weniger wichtig war ihnen, was nun zumindest die über 1000 Unterzeichner*innen fordern: Besserer Schutz vor Lärm und Abgasen, Klimaschutz und -Anpassung, Beschattung, die Bewahrung wertvollen Stadtgrüns als Lebensraum für Tiere und Pflanzen – und nicht zuletzt die Atmosphäre älterer Baumbestände. Kurz: eine behutsamere, sensiblere Stadtentwicklung mit mehr Respekt für grüne Infrastruktur. Auf Antrag der Grünen hat der Stadtrat am Donnerstag die Chance, die Entscheidung der Ausschüsse doch noch im Sinne der Bürger*innen zu revidieren.
Tino Schlagintweit
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