Was bedeutet der weltweite Boom von Flüssigerdgas für Menschen, Klima und Umwelt? Der Dokumentarfilm „GasLit“ nimmt die Zuschauer mit in die Öl- und Gasregionen der USA – und zeigt eine Geschichte, die längst nicht nur Amerika betrifft. Bündnis 90/Die Grünen Unterschleißheim zeigen den Film am 15. September um 19:30 Uhr im Capitol-Kino. Im Anschluss diskutieren die Bundestagsabgeordnete Lisa Badum und Saskia Reinbeck von Greenpeace mit dem Publikum über den Film und seine Bedeutung für Deutschland und Europa.
Erdgas galt lange als vergleichsweise sauberer fossiler Energieträger und als mögliche Brücke auf dem Weg in ein erneuerbares Energiesystem. Doch hinter dem Begriff „Liquefied Natural Gas“, kurz LNG, verbirgt sich eine Industrie, deren Auswirkungen weit über die Frage der Energieversorgung hinausreichen.
Genau dort setzt der Dokumentarfilm „GasLit“ von Regisseurin Katie Camosy an.
Jane Fonda auf Reise durch das Öl- und Gasland
Im Mittelpunkt steht die Schauspielerin und Umweltaktivistin Jane Fonda. Gemeinsam mit unter anderem Connie Britton und Musikerin Maggie Rogers reist sie durch Texas und die US-amerikanische Golfregion.
Doch die Prominenten sind nicht die eigentlichen Hauptdarsteller. Sie öffnen vielmehr die Tür zu den Geschichten der Menschen, die dort leben: Fischer, Viehzüchter, ehemalige Beschäftigte der Ölindustrie, Mitglieder von Kirchengemeinden und Umweltinitiativen.
Regisseurin Katie Camosy wollte bewusst Menschen mit sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Hintergründen zeigen. Gerade darin liegt eine Stärke des Films: Der Widerstand gegen Umweltverschmutzung und neue fossile Großprojekte lässt sich nicht ohne Weiteres in das klassische amerikanische Rechts-Links-Schema einordnen.
Da arbeiten Umweltschützer mit Ranchern zusammen, Menschen aus traditionell republikanischen Regionen mit Aktivisten. Sie eint vor allem eine Erfahrung: Die Folgen der Industrie werden konkret, wenn Anlagen, Pipelines oder Umweltverschmutzung die eigene Heimat erreichen.
Vom Frackingfeld bis zum LNG-Terminal
Ausgangspunkt für Camosy war eine Reise nach Port Arthur an der Grenze zwischen Texas und Louisiana. Dort sah sie erstmals die Dimension der LNG-Exportanlagen. Später besuchte sie das Permian Basin in Westtexas, eines der größten Öl- und Gasfördergebiete der Welt.
Aus einem zunächst geplanten kurzen Filmprojekt wurde eine abendfüllende Dokumentation.
„GasLit“ verfolgt dabei die gesamte Kette: Erdgas wird durch Bohrungen und Fracking gewonnen, über Pipelines transportiert, für den Export stark heruntergekühlt und verflüssigt und schließlich per Schiff in andere Teile der Welt gebracht.
Der Film beschäftigt sich aber auch mit einer weniger bekannten Verbindung: Erdöl und Erdgas sind nicht nur Energieträger, sondern zugleich Rohstoffe der petrochemischen Industrie. Damit führt der Weg vom Gasboom direkt zur weltweiten Produktion von Kunststoffen.
Geschichten von Verlust – und vom Widerstand
„GasLit“ zeigt schwere Erkrankungen, Umweltzerstörung und Menschen, die um ihre wirtschaftliche Existenz oder ihre Heimat kämpfen. Trotzdem wollte Camosy keinen Film produzieren, der sein Publikum mit einem Gefühl der Ohnmacht zurücklässt.
Deshalb erzählt sie auch von Menschen, die sich wehren: Eine Aktivistin dokumentiert Methanemissionen mit einer speziellen Wärmebildkamera und konfrontiert damit Behörden. Andere nutzen Bürgerklagen, Denkmalschutzvorschriften, politische Kampagnen oder direkte Aktionen.
Besonders eindrucksvoll ist die Geschichte der texanischen Fischerin Diane Wilson. Sie kämpft seit Jahren gegen die Verschmutzung durch Kunststoffpellets eines petrochemischen Unternehmens und erreichte mit einer Bürgerklage weitreichende Auflagen gegen den Konzern.
Die Botschaft dahinter: Es gibt nicht den einen Weg, sich einzumischen. Entscheidend ist, überhaupt aktiv zu werden.
Eine amerikanische Geschichte, die Europa betrifft
Auf den ersten Blick spielt „GasLit“ weit entfernt von Unterschleißheim. Doch der Film schlägt bewusst die Brücke nach Europa.
Denn ein Teil des in den USA geförderten und verflüssigten Erdgases wird exportiert. Camosy berichtet von Gesprächen in europäischen Ländern, in denen Fracking selbst verboten ist, gleichzeitig aber LNG aus amerikanischer Frackingförderung importiert wird. Der Film wurde inzwischen auch im Europäischen Parlament in Brüssel gezeigt.
Für Camosy ist klar: Obwohl „GasLit“ in den USA spielt, begegnen Menschen weltweit ähnlichen Auseinandersetzungen – wenn es um fossile Infrastruktur, Industrieanlagen, Umweltbelastungen und die Frage geht, wie die Energieversorgung der Zukunft aussehen soll.
Nach dem Film wird diskutiert
Genau an dieser Stelle soll der Abend im Capitol-Kino nicht mit dem Abspann enden. Im Anschluss an die Vorführung lädt der Ortsverband zur gemeinsamen Filmbesprechung und Diskussion ein.
Zu Gast ist Lisa Badum, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen und Sprecherin für Klimapolitik der Bundestagsfraktion. Als zweite Gesprächspartnerin kommt Saskia Reinbeck vom Münchener Landesbüro von Greenpeace nach Unterschleißheim.
Damit bietet sich die Gelegenheit, die im Film aufgeworfenen Fragen auf Deutschland und Europa zu übertragen: Welche Rolle spielt importiertes LNG für unsere Energieversorgung? Welche Folgen hat es, wenn Deutschland auf Gas setzt, das andernorts mittels Fracking gewonnen wird? Wie passt der Ausbau von LNG-Infrastruktur zu den Klimazielen? Und wie schnell kann der Übergang zu erneuerbaren Energien gelingen?
Auch das Publikum ist eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen und eigene Fragen einzubringen.
„GasLit“ am 15. September in Unterschleißheim
Der Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen Unterschleißheim zeigt „GasLit“ am Dienstag, 15. September 2026, um 19:30 Uhr im Capitol-Kino, Alleestraße 24 in Unterschleißheim.
Im Anschluss folgt die Filmbesprechung mit Lisa Badum, MdB, und Saskia Reinbeck von Greenpeace.
So wird aus einem Dokumentarfilm über Texas und Louisiana ein Diskussionsabend über eine Frage, die auch uns unmittelbar betrifft: Welche Energieversorgung wollen wir in Zukunft – und welche Auswirkungen an anderen Orten der Welt nehmen wir dafür in Kauf?





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