Wie schaffen die das? Fernab ihrer natürlichen Bedürfnisse trotzen Stadt- Straßenbäume allen möglichen Zumutungen wie Abgasen, Streusalz oder Bodenverdichtung. Sie schaffen, was keine noch so ausgefeilte Architektur oder Stadtmöblierung alleine schafft: eine lebensfreundliche Atmosphäre, besseres Klima. Doch dazu brauchen sie viel Raum, Pflege und Aufmerksamkeit.
Zum Beispiel sollte, ähnlich wie in der Waldwirtschaft, mindestens so viel nachwachsen, wie ausfällt oder entnommen wird. Ist das in Unterschleißheim so, bei all den Baustellen? Was aufmerksame Bürgerinnen und Bürger ahnten, bestätigte im Frühjahr eine Anfrage der Grünen Fraktion an die Stadtverwaltung: Der öffentliche Baumbestand Unterschleißheims schwindet, und zwar nicht nur, weil Ersatzbäume die Leistungen und Qualität ihrer altgedienten Vorgänger erst nach Jahrzehnten erreichen. Auch zahlenmäßig schrumpfte der Bestand: in nur fünf Jahren um sechs Prozent von 8275 auf rund 7787 Exemplare – trotz Baumschutzsatzung und Vorgaben in Bebauungs- oder Grünordnungsplänen. Viel zu oft kann nicht oder nicht sofort nachgepflanzt werden. Was fehlt ist Geld, Personal, Gerät und Platz. Über 200 Ersatzpflanzungen haben sich so über die Jahre angestaut.
Immerhin führte die Anfrage der Grünen zu einem Stadtratsbeschluss, jährlich 230.000 Euro zusätzlich für Baumpflanzungen bereitzustellen. Bleibt das Platzproblem. Allein für die überfälligen Ersatzpflanzungen wären etwa zwei Hektar nötig.
Die unmittelbar geeigneten Standorte auf öffentlichen Flächen sind bereits eingeplant, weitere kaum aufzuspüren. Die Verwaltung favorisiert darum städtische Äcker am Siedlungsrand, um dort beispielsweise Streuobstwiesen anzulegen. Im Prinzip ist das nicht schlecht, ebenso wenig, wie die kürzlich beschlossene Baum-des-Jahres-Allee südlich des Waldfriedhofs. Nur: Solche Pflanzungen in der offenen Weite des Außenbereichs taugen nicht als Ausgleich für die Verluste im Straßen- und Siedlungsraum. Es geht schließlich um Kühlung, Klima und Wohlbefinden direkt vor der Haustüre. Darum wären dringend weitere Pflanzorte im engeren Stadtgebiet nötig.
Denkbar wären beispielsweise solche, die vielleicht erst durch eine gewisse Umgestaltung des Straßenraums verfügbar würden. Das bedarf aber genauerer Untersuchungen, wo das aufgrund der Gegebenheiten überhaupt möglich wäre, beispielsweise mit Blick auf Versorgungsleitungen im Boden.
Darum hat die Grüne Fraktion beantragt, dass die Stadt ein entsprechendes Fachgutachten in Auftrag gibt. Ziel ist eine Übersicht, wo und mit welchem Aufwand eine Aufwertung des öffentlichen Raums der Stadt durch neue Bäume und Grünflächen möglich wäre. In der Folge muss natürlich über eine geeignete Finanzierung der vorgeschlagenen Bau- und Pflanzmaßnahmen nachgedacht werden. In Frage kommen dafür auch Spenden, Patenschaften, Sponsoring und die Gründung eines Fördervereins.
Übrigens: Dass Bäume lebenswichtige grüne Infrastruktur sind, war schon unseren Urgroßvätern bekannt. Deren Weitsicht haben heutige Städte ihre prächtigsten Alleen, Großbäume und Parks zu verdanken – und so mancher Alte Wirt seine Kastanien-Bäume.
Tino Schlagintweit, Umwelt- und Verkehrsreferent
Bündnis 90 / Die Grünen





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