Ob Michael-Ende-Schule, Wohnanlage Kiebitzstraße oder Gartenquartier: Bei den Bauprojekten der letzten Jahre konnte man immer wieder erleben, wie um jedes Quäntchen Ökologie gerungen werden muss. Nachhaltigkeit ist hier noch immer eher Kür als Pflicht. Und das, obwohl alleine das Bauen 20-50 Prozent des ökologischen Fußabdrucks eines Gebäudes ausmacht.
Deshalb hat die Grüne Fraktion einen weitreichenden Antrag eingebracht: Die Stadt soll zirkuläres, ressourcenschonendes und klimafreundliches Bauen zum Leitprinzip für kommunale Vorhaben machen. Für alle Beteiligten hieße das: Sie müssen mehr als bisher Bestandserhalt vor Neubau prüfen, stärker auf wiederverwendbare Bauteile und Recycling Baustoffe setzen, Demontierbarkeit mitplanen und bei all dem die Wirtschaftlichkeit nicht nur am Erstpreis, sondern über den Lebenszyklus bemessen.
Zirkuläres Bauen fordern nicht nur Institutionen wie das Umweltbundesamt, die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen oder die Architektenkammern der Länder. Hinter der Forderung stehen auch renommierte Büros wie Behnisch Architekten. Langsam kommt das Thema in der Baubranche an. Markt, Produkte, Bauteilbörsen, Recyclingkapazitäten und Routinen in Planung und Vergabe sind im Entstehen. Darum sollten öffentliche Auftraggeber wie Unterschleißheim mit klaren Vorgaben, Pilotprojekten und Transparenz Nachfrage schaffen, lokale Akteure stärken und sich innovativ als Vorreiter der Bauwende positionieren.
Unser Antrag ist pragmatisch und flexibel: Zunächst ist für 2026 und 2027 eine Pilotphase mit bis zu drei Projekten vorgesehen, jeweils mit eigenem Fokus, etwa auf Recyclingbeton, Re‑Use-Bauteile oder auf den digitalen Materialpass für spätere Wiederverwendung. Die Verwaltung soll sie im Rahmen ihrer Kapazitäten auswählen und dem Stadtrat die Ergebnisse beispielsweise zu Kosten, CO₂-Bilanz und praktischer Umsetzbarkeit berichten. Auf dieser Grundlage soll bis März 2028 ein Umsetzungskonzept mit konkreten Standards, Schwellenwerten, vergaberechtlicher Ausgestaltung, Ressourcenplanung, Fördermittelstrategie und Monitoring erarbeitet und dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt werden. Eine Evaluation ist nach der Einführungsphase vorgesehen. Unser Ansatz ist pragmatisch: erst testen, messen, lernen – dann schrittweise Standards setzen. So wird nachhaltiges Bauen planbarer, wirtschaftlicher und transparenter.
Hier der Antrag als PDF-Dokument.
Tino Schlagintweit, Umwelt- und Verkehrsreferent, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN





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