Stadtgrün: Sparen auf Verschleiß ist keine Option

Intensität der Dürre in Deutschland seit 1980 (Juni-August, Gesamtboden bis 2m Tiefe) Quelle: UFZ Helmhotzzentrum für Umweltforschung

Intensität der Dürre in Deutschland seit 1980 (Juni-August, Gesamtboden bis 2m Tiefe) Quelle: UFZ Helmhotzzentrum für Umweltforschung

Der schweißtreibende Sommer hat nicht nur den Menschen zugesetzt, sondern sehr sichtbar auch Unterschleißheims Stadtbäumen. Viele Bürgerinnen und Bürger fragten sich, ob die Stadt mit dem Gießen hinterherkommt. Dabei ist ausreichend Wasser die Voraussetzung dafür, dass ein Baum seinen Job als Klimaanlage und Schattenspender überhaupt erfüllen kann. Ist es zu trocken, schaltet er ins Notprogramm, verdunstet weniger oder wirft aus Selbstschutz Blätter ab. Das kann eine Weile gut gehen, häufen sich aber die Hitzesommer, wird es gefährlich: Der Baum bildet zu wenig Reserven, treibt Jahr für Jahr schwächer aus, mehr und mehr Zweige verdorren, bis er irgendwann endgültig abstirbt – oder beim nächsten Bauprojekt als nicht erhaltenswürdig eingestuft und gefällt wird.

Wie ernst es ist, zeigt die Abbildung aus dem Dürremonitor des UFZ (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung). Seit 1980 traten in Deutschland echte Dürren höchstens sporadisch und lokal begrenzt auf. Seit 2010 aber treffen sie das Land gehäuft und großflächig, gerade auch Bayern.

So warnt die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) seit Jahren, dass der Klimawandel die Anforderungen an Pflanzung und Pflege des Stadtgrüns steigen lässt – fachlich wie finanziell. Ihr Appell: Die Kommunen müssen ihre Grünflächenämter personell und finanziell besser aufstellen.

Genau daran hakt es anscheinend auch in Unterschleißheim. Auf Anfrage der Grünen Fraktion hatte die Verwaltung im Ferienausschuss offen eingeräumt, dass Geld und Personal fehlen. Bei sommerlichen Hitzewellen sei eine flächendeckende Bewässerung aus eigener Kraft nicht zu leisten; zusätzliche Unterstützung durch die externen Dienstleister gebe der Haushalt nicht her. Nicht einmal die turnusmäßigen Baumkontrollen seien noch gesichert. Dabei ist die regelmäßige Kontrolle auf Schäden eine Frage der Verkehrssicherung – und damit Pflichtaufgabe der Kommune.

Inzwischen hat die Verwaltung nachgelegt. In der letzten Ausgabe des Landkreisanzeigers gab sie einen ersten Einblick in die Pflege der rund 10.000 städtischen Bäume. Zwischen den Zeilen wird aber auch hier klar, dass die Stadt am Limit fährt. „Geprüft“ und „betrachtet“ werden Personal und Technik, eine genauere Dokumentation und robustere Baumarten. Die richtigen Absichten sind also da.

Für die Haushaltsberatungen, in denen festgelegt wird, ob und wie viel zusätzliche Mittel bereitgestellt werden, ist das zu wenig. Deshalb haben wir Grüne beantragt, dass die Verwaltung umgehend einen ausführlicheren, schriftlichen Bericht vorlegt. Er soll klären: Welche personellen und technischen Kapazitäten stehen für die Grünpflege zur Verfügung? Welche Aufgaben lassen sich damit noch leisten, welche nicht? Welcher zusätzliche Bedarf ergibt sich aus Bestands- und Verkehrssicherung, auch bei häufigeren und stärkeren Hitzewellen?

Für grüne Infrastruktur gilt dabei das Gleiche wie für Brücken, Kanäle oder Straßen: Sparen auf Verschleiß ist teuer. Bei Bäumen sogar verschärft, denn sie werfen nicht nur regelmäßig Laub ab, sondern in gewissem Sinn auch Zinsen. Ihr Wert für das Gemeinwohl wächst über viele Jahrzehnte. Spart man sie kaputt, ist nicht nur die Investition weg, sondern auch der Ertrag. Wettmachen kann das keine Ersatzpflanzung. Darum ist pfleglicher Umgang mit Bäumen der beste und günstigste Beitrag zur Klimaanpassung. Die Verwaltung hat die Lage ehrlich umrissen; nun ist der Stadtrat am Zug. Dem ausführlichen Bericht zuzustimmen kostet nur die Bereitschaft hinzusehen. Über das Geld darf danach gestritten werden – aber mit Fakten auf dem Tisch.

Tino Schlagintweit, Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

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